Das Hofbräu Prachtgespann – Ein Hingucker auf dem Oktoberfest
Sobald sich der Sommer über München neigt und der Himmel in Altweiberfarben leuchtet, beginnt in der bayerischen Landeshauptstadt die Vorfreude auf das Oktoberfest. Eng damit verbunden ist ein Bild, das jedes Jahr aufs Neue die Herzen der Besucher höherschlagen lässt: Unser kraftvoll, majestätisches Prachtgespann vor dem feierlich geschmückten Festzelt.
Dabei ist das berühmte Sechsergespann weit mehr als ein beliebtes Instagram-Motiv. Es ist ein Symbol gelebter Brautradition und festlicher Kultur, denn Pferde gehören seit Anbeginn zur Geschichte des Oktoberfests, die im Jahr 1810 mit einem königlichen Pferderennen zu Ehren der Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese ihren Anfang nahm. Damals dienten die stolzen Kaltblüter zumeist als reine Arbeitstiere, während sie heute, mit Blumen geschmückt und in edlem Geschirr, die Tradition lebendig halten.
Warmherzige Kaltblüter
Im Mittelpunkt stehen unsere zwölf Brabanter, belgische Kaltblutpferde von eindrucksvoller Statur, sanftem Wesen und klarem Blick. Über eine Tonne schwer, und mit einer fast rührenden Gutmütigkeit ausgestattet, schreiten sie geduldig durch das bunte Treiben, und lassen sich durch Schnappschüsse oder aufgeregte Kinderhände niemals aus der Ruhe bringen. Sie sind es gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen, was sie zu Rockstars auf der Wiesn macht. Wenn sie nicht gerade im goldenen Herbstlicht vor dem Festzelt glänzen, leben die Tiere auf einem riesigen Bauernhof im Bayerischen Wald. Dort sorgen „Pferdeflüsterer“ Martin Pauli und sein Team für das tägliche Wohlergehen der Brabanter, die in einem Aktivstall mit viel Bewegungsfreiheit und strukturierter Fütterung, selbst entscheiden können, ob sie lieber drinnen oder draußen ihren Tag verbringen. Regelmäßige Kutschfahrten und eine freundliche menschliche Nähe machen aus ihnen im Laufe ihres Pferdelebens nicht nur prachtvolle, sondern auch entspannte und verlässliche Partner, wie sie auf der Wiesn unerlässlich sind.
Am Freitag vor dem offiziellen Oktoberfest-Beginn beginnt dann endlich das große Wiesn-Abenteuer: Die Pferde werden gründlich gewaschen, gepflegt und für die Reise nach München bestens vorbereitet. In den Stallungen des Circus Krone finden sie während der Festzeit ihr städtisches Zuhause, fernab von Löwen und Elefanten, da der Zirkus währenddessen auf Tournee ist. In aller Ruhe wird hier das edle Prachtgeschirr, ein echtes Meisterwerk der Handwerkskunst mit einem Gewicht von bis zu 300 Kilogramm, angepasst und festgelegt, damit alles für den großen Auftritt sitzt.
Pferde im Wiesnfieber
Bevor die Pferde aber auf dem Festgelände erscheinen, legen sie noch eine zusätzliche Runde um die Theresienwiese zurück, da der direkte Weg einfach zu kurz für diese Kraftpakete wäre. Danach folgt der Auftritt vor dem Hofbräu Festzelt, welches an jedem Wiesntag vor dem großen Andrang abläuft, bevor es zurück zum Zirkus Krone geht. Dort werden die Pferde von Martin Pauli und seinem Team ausgespannt, versorgt und vor allem auch gereinigt, damit sie am nächsten Tag wieder frisch gestriegelt glänzen können.
Wer jetzt denkt, dass nur wir Menschen dem Oktoberfest entgegenfiebern, unterschätzt die Pferde unseres Prachtgespanns gewaltig. „Wenn ich ihnen ein Handyvideo von der letzten Wiesn zeige und sie das Glockengeläut der Kutsche hören, kommen sie sofort angetrabt, als wollten sie sagen: Hey, du hast uns doch nicht etwa hier vergessen?“, erzählt Martin Pauli mit einem Augenzwinkern. Und damit auch alle zwölf Brabanter etwas von der Atmosphäre auf der Wiesn mitbekommen, werden sie stets durchgetauscht bzw. ein- und wieder ausgewechselt.
Tradition auf vier Hufen
Wenn man das majestätische Hofbräu-Prachtgespann einmal aus nächster Nähe live erlebt hat – das sanfte Schnauben der Pferde, das rhythmische Klingen der Geschirre, das goldene Leuchten ihrer Mähnen im Sonnenlicht – dann spürt man sofort: In diesen kraftvollen Tieren und ihrem feierlichen Auftritt schlägt das Herz einer Stadt, die stolz auf ihre Wurzeln ist und die Traditionen lebt. Sie sind nicht nur ein Stück Geschichte, sondern gelebte Emotion, bewegte Erinnerung und der vielleicht schönste Ausdruck echter Münchner Lebensart.